Internationale Poetry-Biennale  -  Filmfestival  -  Salon  -  Netzwerk

Samstag, 14.11. | 15 Uhr
Sonntag, 15.November, 11 Uhr - EPESEP English Writing Group

 

 


Kholoud Charaf & Kateryna Kravchenko
(Syrien / Syria - Ukraine)

Die drusische Schriftstellerin, Dichterin und Menschenrechtsaktivistin Kholoud Charaf, *1981 in Sweida, lebt seit 2018 im Exil.

Von ihr sind erschienen 2024 der Gedichtband Mit all meinen Gesichtern (Klever Verlag), der Reisebericht Return to the Mountains: A Diary in the Shadow of War (2019 mit dem Ibn-Battuta-Preis für Reiseliteratur ausgezeichnet) und 2026 der Roman Tagebuch, das nichts mit mir zu tun hat (Pfaueninsel Verlag); die arabische Originalausgabe wurde für den International Prize for Arabic Fiction (IPAF) und weitere Literaturpreise nominiert. Ihre Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Sie ist Mitglied von PEN Deutschland und PEN Österreich.

Sängerin und Komponistin Kateryna Kravchenko verbindet ihre Stimme mit filmischen Klanglandschaften und schafft so eine unverwechselbare Musiksprache. Als Mitglied des Deutschen Jugend-Jazzorchesters stand sie mit international renommierten Künstlern auf der Bühne, ihre Musik wurde unter anderem vom Beethoven-Orchester Bonn aufgeführt.

Ihr Debütalbum Faces (Unit Records, 2026) wurde für den Deutschen Schallplattenkritikerpreis nominiert.

Sie lebt in Köln.

Kholoud Charaf & Kateryna Kravchenko sind Gäste der Villa Waldberta, dem Artist-in-Residence-Haus der Landeshauptstadt München. Sie werden gemeinsam auftreten.

The Druze author, poet, and human rights activist Kholoud Charaf, born in 1981 in Sweida, has lived in exile since 2018.

Her publications include the poetry collection Mit all meinen Gesichtern (Klever Verlag, 2024); the travelogue Return to the Mountains: A Diary in the Shadow of War, which won the Ibn Battuta Prize for Travel Literature in 2019; and the novel Tagebuch, das nichts mit mir zu tun hat (Pfaueninsel Verlag, 2026). The Arabic original of the novel was nominated for the International Prize for Arabic Fiction (IPAF) and other literary prizes. Her works have been translated into several languages.

She is a member of PEN Germany and PEN Austria.

Singer and composer Kateryna Kravchenko combines her voice with cinematic soundscapes, creating a distinctive musical language. As a member of the German Youth Jazz Orchestra, she has shared the stage with internationally renowned artists, and her music has been performed by the Beethoven Orchestra Bonn, among others.

Her debut album Faces (Unit Records, 2026) was nominated for the German Record Critics’ Award.

She lives in Cologne.

Kholoud Charaf and Kateryna Kravchenko are guests at Villa Waldberta, the artist-in-residence house of the City of Munich. They will perform together.


©Maximilian-Gödecke

       
©Dovile-Sermokas

Eine Gabe von Ishtar

 

Kanatha, mein Töchterchen
bade deine Füße im Licht
und komm
Lass deine Zöpfe ruhen auf dem gewebten Kissen
Nimm die Trauben zwischen deine Lippen
damit sie gären
bis ich mit der Ernte fertig bin

Küss nicht den Mond
der schläfrig über deine Wange streicht
und vergiss die Gräser für die Ziege nicht
sie soll sich doch erinnern, Milch zu geben
Du mit den blattlosen Zweigen
So mancher wirft verstohlene Blicke
auf deine aufgerichteten Knospen
Dein erstes Begehren
lässt dich feucht werden
ein Opfer, nach dem es den Liebesgott verlangt
Solange du ein Teil von mir bist
ein weicher Körper auf dem Marmor
schlaf nur gut
und wenn der Gott des Krieges schläft, weck ich dich auf
Vergiss dich nicht vorm Spiegel
nackt
denn deine Schritte werden stolpern wegen deiner Schönheit
Ich sorge mich, dass deine Hand
die flammenden Kurven entdeckt
und lasse die Tür nicht anklopfen beim fremden Traum
So schlaf, Kanatha
vielleicht erwachst du einst gereift
Dann werde ich dir offenbaren
was die Opfergaben anrichteten
Aus deinem Spiegel schleicht
das Morgen
verlier es nicht
Dein Antlitz sei geheiligt

Das Blatt am Birnbaum

 

Der Baum, der Himmel und Erde verbindet, ist davongegangen
So trug mich meine Stimme bis zum Horizont und kam zurück
Wie ein Marienkäfer, der glaubt, die Farbe eines Baums zu haben
legte meine Fantasie sich nieder und drehte ihr Gesicht zur Wand
Ich ging Marmelade zubereiten
mit viel Zucker
der mich langsam verbrennen wird im langen Winter
Weshalb sitzen die Tische so allein da
Weshalb färbte die Wäscheleine ihre Morgen nicht mit all den Größen
Davongegangen sind die Schuhe, alle Schuhe
selbst die Ameisen, die von Krümeln leben
Geblieben ist nur ein einzelnes Blatt am Birnbaum
Es wartet, dass der Wind es mitnimmt.

Die Traurigkeit

Sie überkommt dich wie eine Eingebung
Mach ihr ein Fenster auf
Putze ihre schwarzen Schuhe
Sprich lange mit ihr
Die Traurigkeit ist wie der Hunger
sie weiß, wie sie dich verzehrt
Lass sie an deinem Tisch Platz nehmen
Biete ihr Wasser an
oder schenk ihr warmen Salbeitee ein
und schau ihr in die Augen
Nimm dir Zeit für sie
Sie ist einsam
Deshalb besucht sie dich.