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___Festival 2018________Europe_Inside_/_Outside________Wien 24_10 | München 26-28_10

Internationale Poetry Biennale -
Schamrock-Festival der Dichterinnen 2018
Rückblick - Review ⇒ Pressestimmen

Festival 2018 ⇒ zum Nachhören auf Literatur Radio Hörbahn

Wie verschieden wir alle sind! Wie viele Seiten und Möglichkeiten Poesie hat! Das Festival der Dichterinnen ist nicht anders als ein Festival der Poesie. Das ist die radikalere Erkenntnis, die mehr Potential hat, etwas zur fairen Behandlung der Frauen im Literaturbetrieb beizusteuern, als wenn es sich herausgestellt hätte, dass sich das Frauen-Festival durch irgendetwas unterscheide. Unter den Schwerpunkten des Festivals war für mich das Thema „Frauen der Beat Generation“ von besonderer Bedeutung. Das ist eine spannende und nur wenig erforschte Seite der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Eine große Entdeckung!
Olga Martynova

Schamrock 2018, one of the rare all-women poetry havens was one of the most inspiring festivals I’ve been to in a long time. The grass roots rhizomic energy was palpable. Women, interconnected with one another as poets, artists, thinkers, performers, activists, coming  from Georgia, the Ukraine, Austria, Czech Republic, Wales, US & beyond, a whole cacophony of languages! 
And an enthusiastic audience stayed for 3 days of non stop activity and discourse. Director Augusta Laar, a poet herself, is an infra-structure genius.  The passion and commitment in this crazy world where art is an enlarged species is awesome. The Future is Women.
Anne Waldman

"Braucht es denn wirklich ein Poesiefestival nur für Dichterinnen, im Jahr 2018, in Deutschland?", das denke ich, wenn ich den Namen "Schamrock" höre, und mir kriecht wirklich eine unbestimmte Scham durch die Hirnhäute und die Brust, und ich denke, beinahe kindlich, "Ich will das nicht". Ich will nicht, dass wir (auch ihr, Männer, auch wir, Frauen) offensichtlich recht vieles falsch gemacht haben über die letzten Jahrzehnte - so dass weiterhin ein Mensch, der unter Büscheln anderer Merkmale auch das Merkmal 'weiblich' trägt, kaum allen anderen Menschen (poetisch) etwas sagen kann und dann als das auch gehört wird: als Mensch mit einem idiosynkratischen Merkmals- und Erfahrungsmuster, das immer sehr breit mit den Mustern aller anderen resonieren muss, weil die es ja erst erzeugt haben. Kurz: als Person.

Ich will nicht, dass es (auch und gerade) in der Literatur weiterhin selbstverständlich ist, Personen wegen ihres Geschlechts routiniert abzuwerten (und andere Personen zusätzlich noch wegen Absurditäten wie "Farbe" oder "Herkunft") -- und dabei wird aufgeklärt getan, und es wird natürlich von vielen zu vielen Themen gut gesprochen, aber wenn's an die Realitätsgestaltung geht, dann haben wir unsere klugen Themen und Standpunkte schon wieder vergessen. Oder knicken einfach ein?

Und ich will nicht, dass wir Frauen extra einen Raum brauchen, um das hören zu können, was Olga Martynova sagt: Dass bei einem solchen Festival nichts anders ist, als bei einem für alle Geschlechter. Außer dieser einen Sache eben, dass wir das jetzt auch hören können. Dass es unüberhörbar wird. Wie divers und widerstreitend und uneins das ist, was die Personen weiblichen Geschlechts zu sagen haben. Weil sie einmal nicht das faltenfrei gebügelte Dekor und der feine Zusatz sind, das Partikulare, das 'man' auch noch einladen musste, um es um das 'Eigentliche' herum zu flechten, um diejenigen Stimmen nämlich, die zu allen anderen Merkmalen auch noch dasjenige 'männlich' (und 'weiß') tragen und deshalb so tun und so gehört werden, als hätten sie außer dem Merkmal 'menschlich' keine weiteren. Als seien nur sie eigentlich: Personen.

Das ist wirklich beschämend. Sich dazu immer noch bekennen zu müssen: dass es das braucht. Und sich dafür auch noch zu schämen - als sei es vor allem der eigene Fehler - ist auch beschämend. Aber eigentlich ist es vor allem ärgerlich, und mühsam, und es kann eine rasend machen. Und die Scham ist vielleicht vor allem ein Gefühl, das dazu dient, Energien zu bändigen und sie den Akteur_innen zurück in ihren Mund zu stopfen. Umso wichtiger, dass Augusta und Kalle Laar diese Scham so spielerisch packen, an ihr herumzupfen, und das sprechen lassen, was hinter ihr zum Vorschein kommt. Das - wie das Bayerische sagt - 'Ausg'schamte'. Das, was bleibt, wenn sich fertig geschämt wurde, eben: alles. Und alles: ist wichtig. Deshalb dafür auch allen Dank!
Anja Utler

The highlight of my year was participating in a 12-week residency in Munich, the place in 1979 where I began to make dances. It was an inspiring return to friends and colleagues, culminating in a magical performance at the Schamrock Poetry Festival. I performed four decades of movement material in a 40-minute set, with Abbie Conant (trombone), Augusta Laar (poet) and Kalle Laar (guitar and electronics). (What was your favorite highlight of 2018? Dance informa Nov. 2018)
Lynn Parkerson

Notizen über Schamrock Festival in München 2018
Das Wort Bienalle – etwas mediteranes schwang in diesen Wort mit, etwas mit ansehen, zeigen... Frauen Bienalle in gegenzug zur einem Fussballspiel wo Männer Weltmeisterschaft nicht betont wird, Männer Spiel diese Bienalle betont es da wird man Frauen eintreffen, nicht irgendwelche Frauen sondern die Künstlerinnen, Frauen welche erst seit Hundert Jahren langsam als Künslerinnen sichtbar werden, nicht Musen, nicht Kochinen, nein, Poetinen, es stockt einem der Atem beim Wort Poetinen, Frauen in allen Jahren welche Gedichte schreiben, schreien, singen, schweigen. Und wie das nicht genug wäre kommen diese Frauen aus 19 verschiedenen Ländern, schreiben in Sprachen  welche nicht nur für Dichtung sondern überhaupt unmöglisch erscheinen in deutschsprachigen Raum, reto- romanisch wie Bitte.

Alles dies sollte ich in München beim Schamrock Festival eintreffen.
Aber dort gab es ein dunkler Raum voll Stühle, zwei Bühnen, ein Kunstverfallener Ehepaar welche diese Bienalle selber organisierte nach ( wie selten dies ist) eigenen URTEIL. Die Einführung der Lyrikerinnen durch Organisatoren war brillant, einfühlsam, kurz und lang genug, die Atmosphere zwischen den Lesungen, in Hotel zwischen Lyrikerinnen wie lang ersehntes Klassentreffen welche unterbrochen würde vom Leben. Und Kunst, Lyrikkunst, Wortkunst, Musik Kunst - Podiumgespräche, Performance am Ende.
Ja, ich lernte einen überblick über wie Barbi Markovic sagte pessimistische Weltsicht welche Aktion erfördert in einer Auslege Ordung zu sehen, ich sah was heute Lyrik kann - sonst habe ich es auf diese Internationalle Art nirgend so gesehen, ich sah letzt endlich das von Anne Waldman aus USA bis München innerhalb 50 Jahren ein langer und ein kurze Weg sei ich sah junge Frauen welche mit Körper, Stimme, Bewegung, Elektronik neue Poetik erspinnen so wie sie sich bekleiden in der ungewisse Zukunft.

Was mich entsetzte oder eben erschutterte ist das Lyrik so wichtig immer noch wie Brot ist, das Seele sie braucht wie Brot und das sie wenig publiziert, rezensiert oder wenn es organsiert wird auf kleine Glöcke gehöngt wird, aber nicht aufgehängt.
In erste Linie bedanke ich mich für enorme Arbeit von Kalle und Augusta, für drei unvergesslicheh Tage, es ist schönste Festival welchen ich erlebt habe. Ich wünsche ihne Kraft für eigene Projekte und Kraft für Schamrock Festival welche Kunst besitzt outseide und inseide zu sein, klein und gross, innovativ und klassisch, das dort Frauen sich versammeln soll so normal werden das sich niemand daran erinnert zu sagen «Nur Frauen». 
Dragica Rajčić

Das Schamrock-Festival in München 2018 bedeutet für mich unterschiedlichste Lyrikerinnen aus der ganzen Welt in einem poetischen Raum. Reger Austausch, intensive Gespräche, gegenseitige Achtung, Empathie, neue Inspirationen, Widmungen und Entdeckungen. 
Einige Poeme der Dichterinnen werden von mir bald ins Georgische übertragen. Die Verse von Ann Waldman: "I am a fast speaking woman, I am a forked tongue Woman, I am a woman with words“, haben mich sehr beeindruckt und sind für mich wegweisend. Sie könnten dem Festival als zukünftiges Logo dienen. Besonderes Lob für die perfekte Organisation. Hoffentlich ein baldiges Wiedersehen, herzlichst, 
Bela Chekurishvili

Hope my email finds you well. Hope you have some time to get rest after such a wonderful festival. Eka Kevanishvili and Bela Chekurishvili were so happy about their time and appearance in Munich. They said that they made such great contacts with other poets and festival representatives.
This is so exciting for me, because this is our goal as well. To get their voices heard abroad. Enormously thank you for that. We are so very thankful and grateful for that, for this wonderful opportunity you gave us. I wish you and to Schamrock all the very best in the future.
Manana Tandaschwili, Georgisches Kulturforum e.V. Frankfurt a/M

De retour de Schamrock
« chaos » en sumérien signifie « sans une bibliothèque »
que signifie être le poète de ses contemporains?
regarder la lumière dans ce qui est sombre
se trouver en zone autonome temporaire
défendre nos territoires intimes et politiques
superficies variées, plus ou moins souterraines
témoigner de la langue magma, langue musique
assouplir le poème comme matière
étendre des bouts de pensées au réel
acérer le regard
s’accrocher à de surprenantes images
laisser du temps et de l’espace pour que les mots résonnent
considérer que tout peut faire poésie
dénuder l’expérience ou réserver l’expression à d’autres zones d’intimité
pas de hiérarchie entre les choix
la crudité des images prime
parce que des images recuites on n’en veut pas
Odile Cornuz Décembre 2018

The Day after, München und Montag, 29. Oktober 2018
Ich grüsse Euch mit meinen Eindrücken, die ich am Frühstückstisch mit Anja Utler und Maria Stastna geteilt habe. Zu Anja sagte ich: Wahrscheinlich schreibe ich Augusta erst morgen, sonst hält sie mich für irr in meinem Pathos.
Dieses Festival war für mich eine ganz wichtige und grosse Sache, ich krame jetzt absichtlich nicht in einem Vokabular, das weit über den Wolken angesiedelt sein könnte (Thema: Pathos, Thema: irr). Eine sehr wichtige Sache, eine grosse Sache. All die Texte, die Dichterinnen, der Ernst. Manchmal musste ich meine Tränen zurückhalten, vor Freude und Rührung, vor Glück, aber auch vor Trauer.

In dieser whiteBox haben alle gesagt, dass Literatur, dass Lyrik für sie eine existenzielle Bedeutung hat. Sie haben es vielstimmig gesagt, in unterschiedlicher Sprache und Temperatur. In Versen. Trocken, blumig, verschlungen, direkt, rhythmisch, laut und leise. Und ich fühlte mich geborgen, ich fühlte mich okay, ich war bei mir wie ich es lange nicht mehr war. Denn es ist ja eben nicht so wie meine Figur in meinem Buch sagt, dass ich berühmt werden möchte (Nicola Bardola hat dieses Zitat für mich als Autorin verwendet), das sagt meine Figur, ein Kind, nicht ich. Ich möchte nur okay sein, ein Recht auf Existenz haben, nicht besser sein als andere, aber vor allem nicht schlechter. Dieses Recht habe ich mir, seit ich schreiben kann, in Gedichten erschrieben.
Ich schreibe Gedichte seit meinem 7. Lebensjahr, und ich habe mich immer als Lyrikerin verstanden, publiziert habe ich – als ich dann endlich publiziert habe - vor allem Prosa. Warum? Der Markt? Zu wenig angesehen? Mir fehlte das Vertrauen in meine eigene Lyrik, nicht vor mir selbst (!), aber öffentlich. Das hat sich verändert. Seit diesem Wochenende.

Dieses Aufgehobensein am Festival der Dichterinnen war nichts Passives, kein Zurücklehnen, ganz im Gegenteil: Ich fühle mich erfrischt und genährt, ermutigt, ich bin voller Tatendrang. Ich bin nicht eine Andere, aber ich bin mir näher als am letzten Donnerstag. Ausserdem habe ich neue Freundinnen gefunden. Diese Referenzpunkte ausserhalb meines alten Koordinatensystems sind entscheidend für mich, das spüre ich. Auch hat diese Erfahrung einen Einfluss auf meine Tätigkeit als Moderatorin. Ich habe ein Format in St. Moritz. Zwei Mal pro Jahr lade ich je vier Autorinnen und Autoren ein. Nun habe ich ein paar Ideen, wie ich mein Konzept modifizieren bzw. wie ich das Format erweitern könnte. Just do it! Ja. Just do it. Deshalb schreibe ich Euch heute und nicht morgen.
Danke. Da tuot cour. Herzliche Grüsse
Romana Ganzoni

zuerst: ich gratuliere dir /euch nochmals ganz herzlich zum festival - die whitebox hat ermöglicht, dass alle zusammenbleiben. selbst als lesende hat man sein publikum gesehen. und das publikum hat einander gesehen. und so sind gespräche entstanden wie noch nie. für mich. die paar raucherinnen wollten nicht lange rauchen, wir wollten alle schnell wieder zu den anderen. es gab so was wie gemeinsamkeit.
es war ganz und gar großartig.
und - jetzt gutes ausruhen! - feiert euch - es war ganz wunderbar! alles liebe,
christine huber

Gerne möchte ich mich nochmal von Herzen bedanken für das wunderbare Schamrock-Festival. Ich war so ganz erfüllt und beseelt von den vielen poetischen Eindrücken und den vielen bezaubernden, berührenden, fantastischen Frauen, denen ich begegnet bin.
Oya Erdoğan

I just wanted to thank you again for the amazing event you put on. I was so proud to be able to attend and commend you and your husband for the fine work. Because of it, I met so many interesting people.
Lubi Barre

Bin gestern abend aus München zurückgekommen (mit viel Verspätung, Schienenersatzverkehr — die Deutsche Bahn!)  –  müde, aber glücklich nach diesen Poesie-Tagen, den vielen tollen Kolleginnen, deren Stimmen in meinem Kopf summen, den Lesungen und Gesprächen – bin sehr froh, dass ich so wunderbare Dichterinnen kennengelernt habe, auch über die Gespräche mit Leuten aus dem Publikum – hab viel schönes feedback bekommen …
Ich danke Dir und Kalle SEHR UND MEHR für diesen Möglichkeitsraum, den Ihr organisiert und aufgemacht habt – Möglichkeitsraum in einem mehrfachen Sinn – Dichtung, die leibhaftig wird und wirkt in einem Raum, wo wir miteinander eine Gesellschaft bilden. Und die white box ist ein guter Ort – da sind gute Energien und die Leute vor Ort waren freundlich.
Margret Kreidl

 

 

Olga Martynova





Anne Waldman





Anja Utler





Lynn Parkerson





Dragica Rajčić





Eka Kevanishvili





Bela Chekurishvili





Odile Cornuz





Romana Ganzoni





Christine Huber





Oya Erdoğan





Lubi Barre





Margret Kreidl


Fotos Martin Richartz 2018